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Soziologisches - Philosophisches - Animal Issues


Home >> Links >> Lyrik >> Stoffsammlung: Gedichte

Stoffsammlung
- Fundstücke -

Rose Ausländer: Im Sommer
Ingeborg Bachmann: Menschenlos |
aus: Psalm
Gottfried Benn: Keiner weine |
Gesänge |
Kann keine Trauer sein
Bertolt Brecht: Erinnerung an die Marie A.
Paul Celan: Psalm
Todesfuge
Hilde Domin: Nur eine Rose als Stütze
Robert Frost: The Road not Taken
Uwe-Michael Gutzschhahn: Winterbild
Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens |
Da ich ein Knabe war...
Franz Hohler: Woher kommen die Träume?
Marie Luise Kaschnitz: Frauenfunk |
Gingst so stille |
Exotarium |
Erde |
Bereicherung
Omar Kayyam: Rubáiyát
Ludvig Kundera: Nortia
Gertrud Kollmar: Das Tier
Edgar Kupfer-Koberwitz: Das Ostern der Tiere
Edwin Muir: The Animals
Rainer Maria Rilke: Der Panther
Jan Skacel: In der Mitte des Sommers
Patti Smith: für Christoph Schlingensief
Dorothee Sölle: Weisheit der indianer
Georg Trakl: Verfall
Wim Wenders / Peter Handke Als das Kind Kind war
William Carlos Williams: Complete destruction
Marina Zwetajewa: Meine arme Vergänglichkeit
Alfred Edward Housman: To an Athlete Dying Young |
Grabrede

... und: Aphorismen von

Seerosen
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Rose Ausländer
Im Sommer

Im Sommer
hör ich die Bienen
im Winter den Frost

Ich trinke
den Honig deiner Zärtlichkeit
und
das Eis deiner Gegenwart

Zwei Wunder
in einer Schale

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Ingeborg Bachmann
Menschenlos

Verwunschnes Wolkenschloß, in dem wir treiben...
Wer weiß, ob wir nicht schon durch viele Himmel
so ziehen mit verglasten Augen?
Wir, in die Zeit verbannt
und aus dem Raum gestoßen,
wir, Flieger durch die Nacht und Bodenlose.

Wer weiß, ob wir nicht schon um Gott geflogen,
und, weil wir pfeilschnell schäumten ohne ihn zu sehen
und unsre Samen weiterschleuderten,
um in noch dunkleren Geschlechtern fortzuleben,
jetzt schuldhaft treiben?

Wer weiß, ob wir nicht lange, lang schon sterben?
Der Wolkenball mit uns strebt immer höher.
Die dünne Luft lähmt heute schon die Hände,
und wenn die Stimme bricht und unser Atem steht...?
Bleibt Verwunschenheit für letzte Augenblicke?

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Ingeborg Bachmann
aus: Psalm

In die Mulde meiner Stummheit
leg ein Wort und zieh Wälder groß zu beiden Seiten,
daß mein Mund ganz im Schatten liegt.

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Gottfried Benn
Keiner weine

Rosen, gottweißwoher so schön,
in grünen Himmeln die Stadt
abends
in der Vergänglichkeit der Jahre!

Mit welcher Sehnsucht gedenke ich der Zeit,
wo mir eine Mark dreißig lebenswichtig waren,
ja, notgedrungen, ich sie zählte,
meine Tage ihnen anpassen mußte,
was sage ich Tage: Wochen, mit Brot und Pflaumenmus
aus irdenen Töpfen
vom heimatlichen Dorf mitgenommen,
noch von häuslicher Armut beschienen,
wie weh war alles, wie schön und zitternd!
Was soll der Glanz der europäischen Auguren,
der großen Namen,
der Pour le mérite,
die auf sich sehn und weiterschaffen,

ach, nur Vergehendes ist schön,
rückblickend die Armut,
sowie das Dumpfe, das sich nicht erkennt,
schluchzt und stempeln geht,
wunderbar, dieser Hades,
der das Dumpfe nimmt
wie die Auguren -
keiner weine,
keiner sage: ich, so allein.

top

Gottfried Benn
Gesänge (1.)

Oh, dass wir unsere Ur-ur-ahnen wären.
Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor.
Leben und Tod, Befruchten und Gebären
Glitte aus unseren stummen Säften vor.

Ein Algenblatt oder ein Dünenhügel:
Vom Wind geformtes und nach unten schwer.
Schon ein Libellenkopf, ein Möwenflügel
Wäre zu weit und litte schon zu sehr. -

top

Gottfried Benn
Kann keine Trauer sein

In jenem kleinen Bett, fast Kinderbett, starb die Droste
(zu sehn in ihrem Museum in Meersburg),
auf diesem Sofa Hölderlin im Turm bei einem Schreiner,
Rilke, George wohl in Schweizer Hospitalbetten,
in Weimar lagen die großen schwazen Augen
Nietzsches auf einem weißen Kissen
bis zum letzten Blick -
alles Gerümpel jetzt oder gar nicht mehr vorhanden,
unbestimmbar, wesenlos
im schmerzlos-ewigen Zerfall.

Wir tragen in uns Keime aller Götter,
das Gen des Todes und das Gen der Lust -
wer trennte sie: die Worte und die Dinge,
wer mischte sie: die Qualen und die Statt,
auf der sie enden, Holz mit Tränenbächen,
für kurze Stunden ein erbärmlich Heim.

Kann keine Trauer sein. Zu fern, zu weit,
zu unberührbar Bett und Tränen,
kein Nein, kein Ja,
Geburt und Körperschmerz und Glauben
ein Wallen, namenlos, ein Huschen,
ein Überirdisches, im Schlaf sich regend,
bewegte Bett und Tränen -
schlafe ein!

top

Bertolt Brecht
Erinnerung an die Marie A.

1
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

2
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: ich küßte es dereinst.

3
Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke dagewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind.
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

top

Paul Celan
Psalm

Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern Staub.
Niemand.

Gelobt seist du, Niemand.
Dir zulieb wollen
wir blühn.
Dir
entgegen.

Ein Nichts
waren wir, sind wir, werden
wir bleiben, blühend:
die Nichts-, die
Niemandsrose.

Mit
dem Griffel seelenhell,
dem Staubfaden himmelswüst,
der Krone rot
vom Purpurwort, das wir sangen
über, o über
dem Dorn.

top

Paul Celan
Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus und spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr anderen singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

top

Hilde Domin
Nur eine Rose als Stütze

Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.

Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehen.

Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verläßlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltür am Abend schließt.

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.

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Robert Frost
The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;
Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,
And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.
I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

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Uwe-Michael Gutzschhahn
Winterbild

Kopfüber am Fleischerhaken
als wollte er endlich Sturzflüge üben
als wollte er sich verstecken
als wäre der Gitterrost sein Gebüsch
als machte ihn Stadtluft frei

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Friedrich Hölderlin
Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

top

Friedrich Hölderlin
Da ich ein Knabe war...

Da ich ein Knabe war,
Rettet' ein Gott mich oft
Vom Geschrei und der Rute der Menschen,
Da spielt' ich sicher und gut
Mit den Blumen des Hains,
Und die Lüftchen des Himmels
Spielten mit mir.

Und wie du das Herz
Der Pflanzen erfreust,
Wenn sie entgegen dir
Die zarten Arme strecken,

So hast du mein Herz erfreut,
Vater Helios! und, wie Endymion,
War ich dein Liebling,
Heilige Luna!

O all ihr treuen
Freundlichen Götter!
Daß ihr wüßtet,
Wie euch meine Seele geliebt!

Zwar damals rief ich noch nicht
Euch mit Namen, auch ihr
Nanntet mich nie, wie die Menschen sich nennen,
Als kennten sie sich.

Doch kannt' ich euch besser,
Als ich je die Menschen gekannt,
Ich verstand die Stille des Aethers,
Der Menschen Worte verstand ich nie.

Mich erzog der Wohllaut
Des säuselnden Hains
Und lieben lernt' ich
Unter den Blumen.

Im Arme der Götter wuchs ich groß.

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Franz Hohler
Woher kommen die Träume?

Wenn du unruhig bist, kommen sie aus der Ruhe.
Wenn du ruhig bist, kommen sie aus der Unruhe.
Wenn du kalt hast, kommen sie aus der Hitze.
Wenn du heiss hast, kommen sie aus der Kälte.
Aber immer bringen sie dir eine Nachricht
aus den abgelegenen Provinzen deiner selbst.
Und wenn du noch nichts begriffen hast,
wissen sie schon alles.

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Marie Luise Kaschnitz
Frauenfunk

Eines Tages sprech ich im Rundfunk
Gegen Morgen wenn niemand mehr zuhört
Meine gewissen Rezepte

Gießt Milch ins Telefon
Laßt Katzen hecken
In der Geschirrspülmaschine
Zerstampft die Uhren im Waschtrog
Tretet aus Euren Schuhen

Würzt den Pfirsich mit Paprika
Und das Beinfleisch mit Honig

Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins
Dreht die Blätter im Garten auf ihre Silberseite
Beredet euch mit dem Kauz

Wenn es Sommer wird zieht euren Pelz an
Trefft die aus den Bergen kommen
Die Dudelsackpfeifer
Tretet aus Euren Schuhen

Seid nicht so sicher
Daß es Abend wird
Nicht so sicher
Daß Gott euch liebt.

top

Marie Luise Kaschnitz
Gingst so stille

Was ich für Träume träume neuerdings
Die Zirruswolken schleichen kätzchenklein
Mir um die Füße das bedeutet Unglück
Die Sonne mit ihren Protuberanzen kocht
In meinem Suppentopf

Eine Leuchtschrift befiehlt mir den Mond
Und die weiche Landung.
Aber das Ding in dem ich stecke schlägt hart auf
Der Mond zerspringt wie eine Küchentasse

Jetzt bin ich schuld daran daß es keinen Mond mehr gibt
Gingst so stille
Und was wird sein mit den Liebenden
Was wird sein mit Ebbe und Flut?

top

Marie Luise Kaschnitz
Exotarium

Ich Pinguinin
Schwarzweiße fette Madam
Leg meine Stummelarme vor den Bauch
Und schaue auf zu dem an meiner Seite
Dem Pinguinendenkmal meinem Mann
Ein Enkel ab und zu gleitet gemessen
Durchs Wasserrund
Die übrige Verwandtschaft
Nah beieinander würdevoll gesellig.
Nur einer steht in Frack und weißer Weste
Ganz hinten auf der Klippe
Stützt seinen Schnabel an die blaue
Gemalte Ferne
Und sucht mit seiner Pinguinenseele
Was sucht mein armer Sohn der Pinguin?

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Marie Luise Kaschnitz
Erde

Erde der ich so oft
Mein stockendes Leben
Abgewann mit der doppelten Augenzahl
Mit der Herzkarte Liebe.

Die mich lockte die Stockfinsternis
Und der hellichte Tag
Und die Nachzüglerschwalbe
Fledermausleicht
Die Herbstzeitlose des Himmels.

Lebendiges Wasser
Forellenschnell
Grünschattig bachab
Und die Flamme Bergahorn
Vor dem erloschenen Gletscher.

Felsen von Salzwasser rauh
Muschelumblätterte
Besponnen von eisernen Moosen
Und der gierige Seevogelschrei
In der kieselreissenden Brandung.

Ehe ich noch gehe
Alle verlaßt ihr mich
Faltet euch ein
Wie die Novemberrose
Papyrusgraue.

Wer sagt daß er sterben muß?
Eh wir noch gehen
Stirbt uns die Erde
Stirbt uns das Wasser
Und längst ist die Schwalbe dahin.

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Marie Luise Kaschnitz
Bereicherung

Ich kannte die Gesetze des Tempelbaus
Sagen wir einige
Und den Stadtplan von Curitiba
Das nützt mir nichts
Aber das heute und hier
Ein Mann auf dem Rücken
Liegt er seine Noten unter dem Kopf
Spielt Cello im Regen
Das Kopfsteinpflaster glänzt
Die Leute lachen
Das Lachen nützt
Der Regen nützt.

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Omar Kayyam
Rubáiyát

And if the Wine you drink, the Lip you press,
End in the Nothing all Things end in - Yes -
Then fancy while Thou art, Thou art but what
Thou shalt be - Nothing - thou shalt not be less.


The Moving Finger writes; and, having writ,
Moves on: nor all thy Piety nor Wit
Shall lure it back to cancel half a Line,
Nor all thy Tears wash out a Word of it.

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Gertrud Kollmar
Das Tier

Komm her. Und siehe meinen Tod, und siehe dieses ewige Ach,
Die letzte Welle, die verläuft, durchzitternd meinen Flaus,
Und wisse, daß mein Fuß bekrallt und daß er flüchtig war und schwach,
Und frag nicht, ob ich Hase sei, das Eichhorn, eine Maus.

Denn dies ist gleich. Wohl bin ich dir nur immer böse oder gut;
Der Willkürherrscher heißest du, der das Gesetz erdenkt,
Der das nach seinen Gliedern mißt wie seinen Mantel, seinen Hut
Und in den Mauern seiner Stadt den Fremdling drückt und kränkt.

Die Menschen, die du einst zerfetzt: an ihren Gräbern liegst du stumm;
Sie wurden leidend Heilige, die goldnes Mal verschloß.
Du trägst der toten Mutter Haut und hängst sie deinem Kinde um,
Schenkst Spielwerk, das der blutigen Stirn Gemarterter entsproß.

Denn lebend sind wir Vieh und Wild; wir fallen: Beute, Fleisch und Fraß -
Kein Meerestau, kein Erdenkorn, das rückhaltlos ihr gönnt.
Mit Höll und Himmel schlaft ihr ein; wenn wir verrecken, sind wir Aas,
Ihr aber klagt den Gram, daß ihr uns nicht mehr morden könnt.

Einst gab ich meine Bilder her, zu denen du gebetet hast,
Bis du den Menschengott erkannt, der nicht mehr Tiergott blieb,
Und meinen Nachwuchs ausgemerzt und meinen Quell in Stein gefaßt
Und eines Höchsten Satz genannt, was deine Gnade schrieb.

Du hast die Hoffnung und den Stolz, das Jenseits, hast noch Lohn zum Leid,
Der, unantastbar dazusein, in deine Seele flieht;
Ich aber dulde tausendfach, im Federkleid, im Schuppenkleid,
Und bin der Teppich, wenn du weinst, darauf dein Jammer kniet.

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Ludvig Kundera
Nortia

Vor den augen der menschen
verbirgt sie ein schleier

Sie steht über allen
und außerhalb von ihnen

In ihre macht
fallen zeit und raum
In ihren domen
wird bei festlichem abschluß eines jeden jahres
in die mauer
ein nagel geschlagen

Geheimnisvolle göttin des schicksals ...

Das menschliche schicksal
gleicht aber nicht einer mauer
es muß
mehr als nur einen nagel ertragen

Pro tag

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Edgar Kupfer-Koberwitz
Das Ostern der Tiere

Brüllen
dröhnt in den Schlachthöfen,
Wer hört es?
Wohin tönt es ?
Zu Gott.

Blut
dampft in den Schlachthöfen.
Wer sieht es?
Wohin fließt es?
Zu Gott.

Angst
bebt in den Schlachthöfen.
Wer fühlt sie?
Wohin führt sie?
Zu Gott.

Wo ist der Gott der Tiere?
Er wohnt auf Erden.
Wer ist der Gott der Tiere?
Es ist der Mensch.

Wer hört das Brüllen der Schlachthöfe?
Wer sieht das Blut der Schlachthöfe?
Wer fühlt die Qual der Schlachthöfe?
Kein Mensch.

Das Brüllen der Angst,
die Bäche des Blutes,
die Schreie des Todes flehen zum Gotte:
"Öffne dein Herz."
Doch des Erdengottes Ohren sind verschlossen.
Nicht will er hören den Schrei,
Nicht will er sehen das Blut.

Unbewegt, erhaben über fremden Schmerz,
lächelt der Gott der Tiere -
kein Erbarmen kennt der Mensch.
Abseits stehen die Gütigen und weinen.

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Edwin Muir
The Animals

They do not live in the world,
Are not in time and space.
From birth to death hurled
No word do they have, not one
To plant a foot upon,
Were never in any place.

For with names the world was called
Out of the empty air,
With names was built and walled,
Line and circle and square,
Dust and emerald;
Snatched from deceiving death
By the articulate breath.

But these have never trod
Twice the familiar track,
Never never turned back
Into the memoried day.
All is new and near
In the unchanging Here
Of the fifth great day of God,
That shall remain the same,
Never shall pass away.

On the sixth day we came.

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Rainer Maria Rilke
Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

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Jan Skacel
In der Mitte des Sommers

Vollkommen ist's
wie der sommer sich über die dämmerung beugt
An dünnen ästen makellose vogelbeeren
und außerhalb des gewichts der zeit
Der august so nah wie die distel am weg
Die tage um einen fußbreit kürzer
Unter zerbrechlichem stern bruchstückhaft gespräche
Noch glauben wir's einander nicht, dass aus dem nahen dickicht der herbst tritt
Immerzu liegen die bäume vor anker in wurzeln wie glocken
Sicherheit überkommt
Und wunderschön das überflüssigsein der klage

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Patti Smith
für Christoph Schlingensief

We rose as children
to climb a ladder of gold
Our ship shall see no river
yet hope shall hold

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Dorothee Sölle
Weisheit der indianer

Jeden tag
die erde mit den füßen berühren
am feuer sich wärmen
ins wasser fallen
und von der luft gestreichelt sein

Wissen ein tag ohne die vier
schwester wasser und bruder feuer
mutter erde und vater himmel
ist ein verrotteter tag

Ein tag im krieg
den wir gegen alles
führen

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Georg Trakl
Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

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Wim Wenders / Peter Handke
Der Himmel über Berlin

Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte, der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom
und diese Pfütze das Meer.
Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins.

Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim Fotografieren.

Als das Kind Kind war,
war das die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich Ich und
Warum nicht Du?
Warum bin ich hier und
Warum nicht dort?
Wann begann die Zeit
Und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne
Nicht bloß ein Traum?
Ist, was ich sehe und höre und rieche,
nicht bloß der Schein
einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse
Und Leute, die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der Ich bin,
bevor ich wurde, nicht war
und daß einmal ich,
der Ich bin, nicht mehr der,
der Ich bin, sein werde.

top

William Carlos Williams
Complete destruction

It was an icy day.
We buried the cat,
then took her box
and set fire to it
in the back yard.
Those fleas that escaped
earth and fire
died by the cold.

top

Marina Zwetajewa
Meine arme Vergänglichkeit

Meine arme Vergänglichkeit
Übersiehst du, verlierst kein Wort,

Du Stein, ich aber singe,
Du Mal, ich aber fliege,

Im Blick des Ewigen, ich weiß,
Der mildeste Mai ist ein Nichts.

Ich, ein Vogel, wirf mir nicht vor
Mein Schicksal,
Mein Schicksal, das leichte Gesetz.

top

Grabrede

Als Du für unsere Stadt den Sieg errungen,
haben jung und alt Dir zugejubelt.
Begeistert standen sie am Wege,
als wir nach Haus' Dich brachten auf unseren Schultern.

Klug hast du dich zur rechten Zeit davongeschlichen
von den Feldern wo der Ruhm nicht lange währt,
wo verblühter Lorbeer welkt schneller als die Rose.

Nun wirst du nicht erleben des Ruhms Vergänglichkeit
wie des Läufers Ansehen schwindet
und Ruhm und Ehr' sich schnell verschlissen hat
und der Name stirbt vor seinem Tod.

Und auf den Kopf des jungverblichenen Helden
heftet sich der starre Blick des Todes.
Und seht, noch unverwelkt aus frischen Blüten,
ein Gebinde
auf seinen kurzen Locken.

... und hier das Original ...

Alfred Edward Housman
To an Athlete Dying Young

The time you won your town the race
We chaired you through the market-place;
Man and boy stood cheering by,
And home we brought you shoulder-high.

To-day, the road all runners come,
Shoulder-high we bring you home,
And set you at your threshold down,
Townsman of a stiller town.

Smart lad, to slip betimes away
From fields were glory does not stay
And early though the laurel grows
It withers quicker than the rose.

Eyes the shady night has shut
Cannot see the record cut,
And silence sounds no worse than cheers
After earth has stopped the ears:

Now you will not swell the rout
Of lads that wore their honours out,
Runners whom renown outran
And the name died before the man.

So set, before its echoes fade,
The fleet foot on the sill of shade,
And hold to the low lintel up
The still-defended challenge-cup.

And round that early-laurelled head
Will flock to gaze the strengthless dead,
And find unwithered on its curls
The garland briefer than a girl's.

top
Aquarell: Krug

... immer nur geträumt von dem,
was man sein und tun soll,
und die Zeit vergeht,
die kostbare Zeit.

Brigitte Reimann

We were born and we will die, that's all. And in between we can try something.

Francis Bacon


DIE AMEISEN
In einem Dorf in Connecticut lebte einmal ein
Mädchen, das Tracey Hills hieß und nicht anders war als alle Kinder auf diesem Planeten. Eines Tages steckte Tracey, zusammen mit ihren Schulkameraden, brennende Streichhölzer in einen Ameisenhaufen. Die Kinder fanden großes Vergnügen an diesem Zeitvertreib; aber Tracey beeindruckte etwas, das die anderen nicht sahen, oder nicht zu sehen schienen, das sie aber lähmte und sich für immer in ihr Gedächtnis grub: vor dem Feuer, vor der Gefahr, bildeten die Ameisen Paare, und zu zweit, eng aneinandergepresst, erwarteten sie den Tod.

Eduardo Galeano: Das Buch der Umarmungen


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ICH WOHNE IN MIR WIE IN EINEM FAHRENDEN ZUG.
Ich bin nicht freiwillig eingestiegen, hatte nicht die Wahl und kenne den Zielort nicht. Eines Tages in der fernen Vergangenheit wachte ich in meinem Abteil auf und spürte das Rollen. Es war aufregend, ich lauschte dem Klopfen der Räder, hielt den Kopf in den Fahrtwind und genoß die Geschwindigkeit, mit der die Dinge an mir vorbeizogen. Ich wünschte, der Zug würde seine Fahrt niemals unterbrechen. Auf keinen Fall wollte ich, daß er irgendwo für immer hielte.
...
Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?
...
Die Angst davor, dass das Leben unvollständig bliebe, ein Torso; das Bewusstsein nicht mehr der werden zu können auf den hin man sich angelegt hatte. So hatten wir die Angst vor dem Tode schließlich gedeutet. Doch wie kann man sich, fragte ich, vor der fehlenden Ganzheit und Stimmigkeit des Lebens fürchten, wo man sie doch, wenn sie einmal zur unwiderruflichen Tatsache geworden ist, gar nicht mehr erlebt? ... Unser Leben, das sind flüchtige Formationen aus Treibsand, von einem Windstoß gebildet, vom nächsten zerstört. Gebilde aus Vergeblichkeit, die verwehen, noch bevor sie sich richtig gebildet haben.
...
Die Geschichten, die die anderen über einen erzählen, und die Geschichten, die man über sich selbst erzählt: Welche kommen der Wahrheit näher?

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon


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Um unsere Freiheit ist es sehr traurig bestellt. Wahrscheinlich hat es sie nie anderswo als auf dem Papier gegeben. Von äußerer Freiheit konnte wohl nie die Rede sein, aber ich habe auch nie einen Menschen gekannt, der innerlich frei gewesen wäre. Und ich habe diese Tatsache nie als beschämend empfunden. Ich kann nicht sehen, was daran unehrenhaft sein sollte, wie jedes Tier die auferlegte Last zu tragen und letzten Endes wie jedes Tier zu sterben. Ich weiß nicht einmal, was Ehre ist. Geboren werden und sterben ist nicht ehrenhaft, es geschieht jeder Kreatur und bedeutet darüber hinaus gar nichts.
...
Vielleicht leben die Tiere bis zu ihrem Tod in einer Welt des Schreckens und Entzückens. Sie können nicht fliehen und müssen die Wirklichkeit bis zu ihrem Ende ertragen. Selbst ihr Tod ist ohne Trost und Hoffnung, ein wirklicher Tod. ... Ich weiß nicht, ob ich es ertragen werde, nur noch mit der Wirklichkeit zu leben.
...
Es sieht nur befremdend aus, wenn ich es niederschreibe, in Menschenschrift und Menschenworten. Vielleicht müsste ich diese Träume mit Kieselsteinen auf grünes Moos zeichnen oder mit einem Stock in den Schnee ritzen.
...
Die Dinge geschehen eben, und ich suche, wie Millionen Menschen vor mir, in ihnen einen Sinn, weil meine Eitelkeit nicht gestatten will, zuzugeben, daß der ganze Sinn eines Geschehnisses in ihm selbst liegt. Kein Käfer, den ich achtlos zertrete, wird in diesem, für ihn traurigen Ereignis einen geheimnisvollen Zusammenhang von universeller Bedeutung sehen. Er war in dem Augenblick unter meinem Fuß, als ich niedertrat; Wohlbehagen im Licht, ein kurzer schriller Schmerz und Nichts. Nur wir sind dazu verurteilt, einer Bedeutung nachzujagen, die es nicht geben kann. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals mit dieser Erkenntnis abfinden werde. Es ist schwer, einen uralten eingefleischten Größenwahn abzulegen.

Marlen Haushofer: Die Wand


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Netzaehler.de
Jetzt unterschreiben! Beim Appell für den Ausstieg aus der Massentierhaltung

APPELL - von mehr als 400 ProfessorInnen -
für den AUSSTIEG AUS DER MASSENTIERHALTUNG und die Transformation zu einer sozial-ökologischen Landwirtschaft

Wir rufen alle verantwortungsbewussten Menschen auf zu unterschreiben unter: www.gegen-massentierhaltung.de

Ein STOP für Langzeittransporte von Tieren

Zu viele Tiere werden derzeit unter unannehmbaren Bedingungen auf europäischen Straßen transportiert. Das größte Problem dabei ist die Dauer der Transporte. Die derzeitige Gesetzgebung erlaubt es, dass Tiere für mehrere Tage transportiert werden können. Dies muss geändert werden. Lebende Tiere, die für die Schlachtung vorgesehen sind, sollten niemals länger als acht Stunden transportiert werden.

Unterstützen Sie eine Höchsttransportdauer von 8hours. Ziel ist es 1.000.000 Unterschriften zu sammeln, was von EU-Politikern nicht ignoriert werden kann.

8hours |  Hinter den 8hours |  Warum 8hours?

1 MILLION Unterschriften zur Rettung des Mittelmeers

1 MILLION Unterschriften zur Rettung des Mittelmeers

Die MED Expedition 2010 / 2013, eine wissenschaftliche Umweltschutzkampagne von zehn europäischen Forschungseinrichtungen, schätzt, dass ungefähr 250 Milliarden treibende Mikroplastikteilchen die Oberfläche des Mittelmeeres verschmutzen.